Sonja Blonde Autorin romantischer Kurzgeschichten - Ohne Dich

Ohne Dich

Sonja Blonde

Kann eine Ehe gerettet werden, wenn die Leidenschaft nachlässt? In der neusten Geschichte von Sonja Blonde bekommen wir einen Einblick in eine in Krise geratene Beziehung. Die Charaktere der Geschichte sind von der Situation verwirrt und sind sich nicht sicher, ob sie die Kraft haben, füreinander zu kämpfen. Was passiert, wenn eine dritte Partei erscheint? Sogar…

62 Seiten.

Ohne Dich (Auszug)

Sonja Blonde

 – Na, was meinst du über Liams neue Freundin? – Lisa fragte.
 John sah sich um und suchte mit seinen Augen nach ihrem Nachbarn, der bald über die Scheidung hinweg und bereits mit seiner neuen Partnerin zusammengezogen war.
 – Über Melanie? – fragte er mit gleichgültiger Stimme, als er sich mit einem Tablett in der Hand an den Tisch des Schnellimbisses setzte. Er stellte den gewünschten Hamburger vor jedes Familienmitglied, goss die Pommes Frites auf ein gemeinsames Tablett und legte dieses in die Mitte des Tisches.
 – Sie ist ziemlich hübsch – bemerkte er –, sieht sehr attraktiv aus und ich weiß nicht, was für ein Parfüm sie verwendet, aber es ist besonders erregend.
 Der Bissen blieb Lisa im Mund stecken. Sie hatte nicht diese Antwort erwartet. Tatsächlich wollte sie gar keine Antwort hören. Sie sah auch selbst, wie dekorativ die neue Nachbarin war, die morgens joggen ging, gepflegt war und hübsche Kleider anhatte. Auch jetzt trug sie einen kurzen, grasgrünen Overall mit Spaghettiträgern, der perfekt zu ihren platinblonden Haaren und ihren grünen Augen passte. Ihre Haare und Nägel hatten immer die richtige Form, weshalb Lisa sie beneidete und sich immer wieder schwor, dass auch sie mehr auf ihr Aussehen achten würde. Normalerweise traf sie Melanie, wenn sie die Einkaufstüten der alten Leute abholte. Dann ging ihre Nachbarin in einem perfekten Outfit immer frische Backwaren zu kaufen, und sie achtete sogar darauf, dass die Schuhe und Tasche zu ihrer Kleidung passten. Das alles morgens früh, für ein etwa fünfzehnminütiges Shopping. In den meisten Fällen tat Lisa so, als ob sie die Nachbarin nicht bemerkt hätte, und hoffte aufrichtig, dass Melanie sie in ihrem sackartigen T-Shirt oder ihren Shorts, die an ihren Oberschenkeln hochrollten, nicht sehen würde. Da sie bei den Betreuten auch kleinere Reinigungen, Geschirrspülen machen sollte, trug sie lieber Kleidungsstücke, um die es nicht schade war. Manchmal dachte sie daran, dass sie sich vielleicht auch umziehen könnte, aber am Ende überredete sie sich immer, dass es unnötig war, sich „für diese kurze Zeit“ hübsche Klamotten anzuziehen.

 – Dann geh und setz dich zu ihr, wenn du sie so attraktiv findest – Lisa grummelte und drückte sich dann drei Pommes Frites in den Mund.
 – Du hast das gefragt – John wurde wütend. – Was hätte ich denn sagen sollen? Dass sie hässlich ist? Warum fragst du Unsinn, wenn du dann beleidigt bist? Jetzt bist du so nervend.
 Lisa kämpfte mit ihren Tränen und begann, ihren Hamburger zu essen. Sie blickte wütend zu Melanie, die widerstrebend mit ihrer Gabel in ihrem Salat herumstocherte.
 – Als wäre der Salat in einem Schellimbiss so gesund – flüsterte sie wütend, als sie versuchte, die Zwiebelringe, die aus dem Brötchen herausgefallen waren, an ihren Platz zurückzuschieben.
 – Redest du noch immer zu mir?
 – John, hör bitte auf! Kämpfe nicht vor den Kindern mit mir…
 – Du kämpfst mit mir, weil du vor der Eifersucht wieder verrückt bist.
 – John, bitte…
 John warf wütend das zu einer Papierkugel zusammengeknüllte Packpapier des Hamburgers auf die Mitte des Tisches.
 – Warum ärgerst du mich immer…

 Sie aßen das übliche samstägige Abendessen schweigend. Der Bissen schmeckte Lisa gar nicht. Jetzt erkannte sie, dass sie noch nie wirklich eifersüchtig war. Sie hatte schon oft bemerkt, wie einige Frauen ihren Mann anstarrten, aber John hatte noch nie Interesse an diesen gezeigt, wenn er mit ihr zusammen war. Ihr Mann tat immer so, als würde er die sehnsüchtigen Blicke nicht bemerken. Sie wusste, dass er gerne flirtete, aber ihr Ehemann sagte noch nie, dass eine Frau hübsch oder attraktiv sei. Besonders nicht, dass eine Frau erregend sei…! Sie hätte der Frau, über die John sowas sagt, die Augen auch gekratzt. Zumindest dachte sie früher das. Und jetzt, als ihr der Mann so einfach ins Gesicht sagte, dass diese Gans so erregenden Duft hatte, geriet sie völlig ins Stocken.

 Als sie zu Hause ankamen, erkannte Lisa, warum ihr diese Worte so weh taten. John sagte ihr nämlich noch nie sowas. Das einzige Kompliment, das sie von ihm gehört hatte, war: “ich bekomme einen Ständer, wenn ich dich sehe”.
 Das ist eine andere Geschichte, dass John praktisch von irgendetwas, jederzeit einen Ständer bekam.

 Sie drehte sich lange im Bett hin und her, aber sie konnte nicht einschlafen. Sie sah Melanie vor sich in ihrem grünen Kleid mit ihren metallisch glänzenden Nägeln. Was für Parfüm kann sie verwenden, das auch ihr Mann erregend findet? Sowohl John als auch sie kauften Parfüm in der Drogerie, sie konnten sich kein teureres leisten. Ihr Ehemann bezeichnete die von ihr verwendeten Düfte normalerweise als „nicht schlecht“ und „das ist gut“. Johns Geruchssinn war nicht besonders empfindlich, er hat sich selbst auch das Kölnischwasser nach Preis ausgesucht. Und er hielt es für erregend!